Wenn wir gerade mal keinen Wein trinken…

Hast auch du sie schon gesehen? Ausländisch anmutende Personen mit einer Thermoskanne unter dem Arm und das bei 36 Grad Celsius? In Bonn begleitet uns unsere Mate-Ausrüstung eigentlich auf jeden noch so kleinen Ausflug. Im Park beäugt man uns argwöhnisch. Saufen die da Marihuana aus dem Becher? Warum die Mate-Kultur so einprägsam ist und einen auch im Ausland nicht loslässt, erfahrt ihr hier.

Mate trinkt man nicht allein

Vor ein paar Jahren in Buenos Aires hatte mein Auto einen Blechschaden. In der Werkstatt angekommen, empfängt mich ein im wahrsten Sinne des Wortes schmieriger Mann, der erstmal ausschweifend den Unfallhergang kommentiert. Um den Monolog persönlicher zu gestalten, reicht er mir seinen Mate-Becher und ich nehme einen tiefen Schluck – und zwar, ja, jetzt kommt’s – aus dem gleichen Saugrohr, an dem er selbst noch vor wenigen Sekunden genuckelt hat. Denn Mate trinkt man nicht allein. Mate teilt man!

In Deutschland ist der Kulturschock nicht ganz so leicht zu überwinden. Zurückhaltung und Ablehnung stehen in den Gesichtern von Freunden und Bekannten, wenn unser Mate und die vermeintlichen Mikroben auf dem Trinkrohr die Runde drehen. In Argentinien alles kein Thema: Ein Fremder wird mit Mate willkommen geheißen, ein Geschäft damit besiegelt und Nähe durch das Kraut geschaffen.

Die Mate-Kultur hat ihren Ursprung bei den Guarani-Stämmen aus dem heutigen Paraguay und Nordosten Argentiniens. Mit den spanischen Eroberern verbreitete sich das Ritual und ist heute aus keinem argentinischen Haushalt mehr wegzudenken. Selbst auf kleine Kinder übt die Zeremonie schon früh eine besondere Anziehungskraft aus.

Ob auf der Treppe zum eigenen Hauseingang, im Park oder am Strand. In Argentinien trifft man alles naselang auf ein Grüppchen, das die nötigen Utensilien dabeihat: Traditionell wird das Kraut (yerba) in einem oft mit Leder verzierten, faustgroßen, ausgehöhlten Kürbis, dem Mate, mit heißem Wasser aufgegossen und dann durch einen metallenen Strohhalm (bombilla) gezutscht.

Klingt einfach? Ist es aber nicht. In Argentinien gibt es regelrechte Mate-Vergehen, die von strengen Verfechtern geahndet und gerügt werden (in meinem Fall von Gonzalo, den ich noch nie so konsequent in der Verteidigung seiner argentinischen Traditionen erlebt habe). Du bist Nicht-Matero und planst demnächst eine Reise nach Argentinien, Uruguay oder Paraguay oder willst vor einem Argentinier in Deutschland glänzen? Dann sei wappne dich mit nachstehendem Regelwerk!

Die heiligen Mate-Gebote

  1. Es gibt nur einen Ausschenker! (Der Cebador nimmt sein Amt gewissenhaft an und macht nicht zwischendrin schlapp.)
  2. Der erste Aufguss wird nicht serviert! (Der erste Aufguss ist der Bitterste, also weg damit!)
  3. Tod dem Vordrängler! (Der Ausschenker bestimmt die Reihenfolge und achtet genau darauf, niemanden auszulassen oder zu überspringen. Man bittet nicht um einen Mate! Niemals!
  4. Finger weg von der Bombilla! (Mit der Bombilla wird nicht gerührt, gestampft oder sonstiger Firlefanz veranstaltet.)
  5. Der Mate wird ausgetrunken! (Mal kurz probieren und dann weiterreichen ist nicht drin.)
  6. Das Wasser ist NICHT zu heiß! (Kochen darf es aber auch nicht. Über die genaue Temperatur gibt es zahlreiche Debatten. Irgendwo zwischen 80°C und 85°C sollte sie wohl liegen.)
  7. Das Kraut darf nicht schwimmen! (Es wird genau so viel Wasser in den Mate gegossen, bis ein leichter Schaum und etwas Wasser in der Mulde um die Bombilla zu erkennen sind. Ist das Kraut „ausgewaschen“, ist der Spaß vorbei.)
  8. Zucker ist was für Weicheier! (So zumindest in den Augen echter Mate-Fundamentalisten. Fakt ist jedoch, dass sich der Zuckergeschmack im Kürbis festsetzt und dieser somit gebrandmarkt bleibt.)
  9. Der Mate ist kein Rettungsring! (Also lass ihn wieder los und verquatsch dich nicht mit ihm! Die anderen wollen auch mal.)
  10. Nach dem Danke ist Schluss! (Wer sich für einen Mate bedankt, signalisiert, dass er an der nächsten Runde nicht mehr teilnehmen möchte. Also danke mit Bedacht!

Wenn du diese Regeln befolgst, sind dir Lob und Anerkennung sicher. Pro Jahr schafft es der Durschnitts-Matero, übrigens ca. 5,5 kg Mate zu verschlürfen und das von der Wiege bis zur Bahre. Denn die gesundheitlichen Vorzüge des Matetrinkens sind unbestritten. Beruhigend und stärkend zugleich enthalten die unfermentierten Blätter des Mate-Strauchs viele Nährstoffe und wirken gleichzeitig antioxidativ und verdauungsfördernd. Mate und Wein haben also Einiges gemeinsam…

Wie trinkst du deinen Mate am Liebsten und welche Regeln sind dir heilig? Oder hast du deine Mate-Kultur in Deutschland aufgegeben oder sie noch gar nicht entdeckt?

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