Tänzerischer Zweikampf

Malambo ist ursprünglich eine Art tänzerischer Zweikampf zwischen zwei Männern. Wie mit einem hingeworfenen Fehdehandschuh forderten sich die Gauchos zu diesem Tanz regelmäßig heraus. In den Weiten der einsamen Pampa, in der die argentinischen Cowboys ein nomadisches Hirten-Leben führten, war der Malambo eine der wenigen Formen und Gelegenheiten, sich selbst auszudrücken, eine Art Überlebenstanz also. Stepptanzartig wütet der Tänzer in verschiedenen Figuren über die Bühne. Diese Figuren werden durch die sogenannten “repiqueteos” abgegrenzt, irrsinnig schnellen Steppschritten von nicht weniger als acht pro Sekunde. Diese Flinkheit fordert dem Tänzer nicht nur eine enorme Reaktionsfähigkeit ab, sondern auch Präzision, Stärke und Eleganz.

Unser Malambo-Tänzer Rody Caceres vor seinem Auftritt auf unserer letzten Noche Argentina mit seinem Bombo.

Flink wie ein Profi-Sprinter

Ursprünglich waren zum Erlernen des Malambos ausschließlich Männer zugelassen. Obwohl der Malambo in seiner Export-Version meist etwas aufgepeppt wird, bleibt man beim bekanntesten Malambo-Wettbewerb in dem kleinen Ort Laborde eher bei den traditionellen Ursprüngen. Seit 1966 wird in dieser argentinischen Stadt im Nirgendwo ein sechstägiger Wettkampf ausgetragen, an dessen Ende ein Champion gekürt wird.

Anders als bei anderen Veranstaltungsorten beträgt in Laborde die vorgeschriebene Zeit für den Tanz der Malambisten nicht zwei oder drei, sondern ganze fünf Minuten. Das mag wenig anmuten, wenn man es mit einem Marathonlauf vergleicht, allerdings muss bedacht werden, dass ein Malambotänzer seine Füße so schnell bewegt wie ein professioneller 100m-Läufer. Wohingegen der Läufer sein Ziel bereits nach rund zehn Sekunden erreicht, muss der Malambist sein Tempo ganze fünf Minuten halten. Die Ausbildung zum Malambo-Tänzer ist mit der künstlerischen Schulung eines Balletttänzers vergleichbar und fordert ihm alles ab. Zigaretten und Alkohol sind Tabu und früh ins Bett geht es meistens auch. Langstreckenläufe und Fitnessstudiobesuche sind normaler Bestandteil des Tagesablaufs. Außerdem müssen die Tänzer ein umfassendes mentales Training durchlaufen und sich Überzeugung und Selbstvertrauen aneignen. Als Coach werden üblicherweise ehemalige Champions angeheuert

 

Von der Spitze des Triumphs in den Ruhestand

Weder Preisgeld, Autos oder Urlaub winken dem Gewinner des Wettkampfes, sondern lediglich eine handgefertigte Trophäe eines einheimischen Künstlers. Den wahren Preis, der in Laborde verliehen wird, kann man nicht mit den Augen sehen: Anerkennung und Ehre. Dabei geht das Gewinnen mit einer traurigen Erkenntnis einher. Der Tanz des Champions ist gleichzeitig sein bester und letzter Tanz, denn unter den Gewinnern gilt ein Pakt. Wer einmal in Laborde gewonnen hat, darf nie wieder an diesem Wettbewerb teilnehmen oder den Solotanz auf anderen Festivals aufführen. Bis auf zwei, drei Ausnahmen hat es keiner der Malambisten je gewagt, diesen Pakt zu brechen, um nicht das Gespött und die Verachtung der anderen Tänzer auf sich zu ziehen. One moment in time. Für den Malambo-Champion trifft das mehr als zu.

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