In unserer Kita ist demnächst Sommerfest. Internationales Sommerfest! Und jede Familie ist aufgerufen, eine jeweils passende internationale Leckerei beizusteuern. In meinem Kopf raucht es. Was können die kleinen Kinderhände gut grabschen, ohne dabei alles vollzusauen? Was ist unbekannt, aber dennoch für jeden zugänglich? Na klar, Chipá!

Chipa oder Chipá?

Chipá [tschipah] sind im Grunde kleine Brötchen meist mit Käse oder Speck angereichert. Für Chipá gibt es so viele verschiedene Zubereitungsarten, wie Bubba sie zum Thema Shrimp kannte, denn insgesamt spricht man von mehr als 70 Chipá-Variationen. In Argentinien werden Chipá meist mit Maniok-Mehl zubereitet, das du in gut sortierten Asia-Läden problemlos kaufen kannst. Das Wort Chipá stammt aus dem Quechua, das u.a. von den Inka gesprochen wurde. Diese benutzten das Wort für Zerdrücktes oder Geknetetes. Die ursprüngliche Version von Chipá hat mit der heutigen „mestizischen“ Form nicht mehr viel am Hut und sah ungefähr so aus: Die rohe Maniok-Wurzelknolle wurde zerrieben und in der Hand zu einer Kugel zusammengedrückt. Diese Masse wurde in ein Blatt gerollt und in die heiße Asche geworfen. Durch die Hitze wurde die in der Maniok-Wurzel enthaltene Stärke klebrig und gummihaft und ließ sich wunderbar kneten und zerdrücken. Chipá eben!

Moderne Chipá

 

Mit der Ankunft der Jesuiten im 17. Jahrhundert in Südamerika und der damit einsetzenden Haltung von Vieh wurden den Ureinwohnern völlig neue Nahrungsmittel aufgetischt, darunter Butter, Milch und Käse. Und genau das landete bei den Jesuiten in Kombination mit den einheimischen Produkten (Maniok) im Topf und die moderne Chipá war geboren. Da die Jesuiten auch zufällig diejenigen waren, die den Genuss von Fleisch in der Osterwoche verboten, gehörte Chipá bald zu den typischen Mahlzeiten zu diesem Fest.

Empörtes Paraguay

In den Medien sorgte der kleine Brot-Knubbel erst kürzlich für große Aufruhr. Da hatte die UNESCO es doch tatsächlich gewagt, Chipá als argentinisches Gericht zu bewerben. Die Empörung in Paraguay war groß, hatte das Land Chipá doch per Dekret zum Nationalgericht erklärt. Tatsächlich stammen Chipá jedoch aus Paraguay UND der argentinischen Mesopotamia (Region um den Río Paraná und den Río Uruguay), obwohl die Chipá-Leidenschaft in Paraguay deutlich ausgeprägter ist. Außerdem werden Chipa hier als Kringel dargereicht und sind weitaus krokanter als argentinische Chipá, die eher als fluffige Bällchen daherkommen.

Egal in welchem Gewand, Chipá passen eigentlich immer gut. Zu Mate, für Zwischendurch, für unterwegs anstatt Keks, zum Spieleabend und vor allem natürlich zu Wein. Dadurch, dass Maniok übrigens kein Gluten enthält, sind die Brotkügelchen nicht nur lecker, sondern auch sehr bekömmlich und auf jeden Fall gesünder als Chips.

Doch jetzt zum Rezept! Für ca. 30-40 kleine Bällchen brauchst du:

• 500g Maniok-Mehl
• 2 Eier
1 TL Backpulver
120g weiche Butter
1,5 TL Salz
600-700 ml Milch
ca. 250g würzigen Käse (am Besten etwas härteren Käse, wie z.B. mittelalten Gouda, Bergkäse, Manchego etc.)

Das Maniokmehl saugt unglaublich viel Flüssigkeit auf. Gib die Milch am besten nach und nach hinzu. Meist ist es so, dass du denkst, jetzt ist der Teig schön samtig. Dann drehst du dich kurz um und machst zwei Minuten was anderes und schon ist Zement daraus geworden. Dann nicht in Panik geraten, sondern einfach wieder mehr Milch hinzugeben, bis der Teig beim Rollen kleiner Bällchen (ca. 4-5 cm Durchmesser) nicht mehr krümelt, aber die Kugel ihre Form beim Aufsetzen auf’s Backblech beibehält und nicht zusammensackt. In den vorgeheizten Ofen schmeißt du die Chipá ca. 15 Minuten bei 200° Grad Ober-/Unterhitze und wartest, bis sie eine leicht goldgelbe Farbe haben. Im Zweifel nimmst du einfach ein Mini-Brötchen raus und brichst es testweise auseinander.

Der Teig lässt sich prima am Vortag zubereiten und im Kühlschrank aufbewahren. Sogar einfrieren lassen sich die fertigen Kugeln. Chipá genießt man am Besten, wenn sie noch warm sind. Am nächsten Tag haben sie bereits einiges an Schmackhaftigkeit eingebüßt. Na dann, wohl bekomm’s!

Share This

Share this post with your friends!